Nora Oder ein Puppenheim - Städtische Bühnen Münster
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Nora oder ein Puppenheim: Von Henrik Ibsen
Nora ist seit acht Jahren mit Torvald Helmer verheiratet. Sie leben gemeinsam mit ihren drei Kindern und einem Kindermädchen in einer grossen Wohnung. Die Ehe funktioniert; denn Nora weiss, welche Erwartungen sie erfüllen soll, und erfüllt sie gern. Torvald nennt sie sein Vögelchen, seine kleine Zwitscherlerche, sein Leckermäulchen, und Nora weiss, dass er ihren bittenden Worten kaum widerstehen kann. Die bevorstehende Beförderung Torvalds zum Direktor der Aktienbank lässt Nora sich leicht und glücklich fühlen, wie sie ihrer Freundin Kristine überschwänglich erzählt, denn: "Ist es nicht herrlich, ganz viel Geld zu haben und sich keine Sorgen machen zu müssen?". Nora ist stolz; denn sie hat den Grundstein dieses Glückes gelegt, als sie aus Liebe mit einer gefälschten Unterschrift ein Darlehen bei Rechtsanwalt Krogstad aufgenommen hat, um einen Italienaufenthalt zu finanzieren, der Torvald das Leben rettete. Torvald glaubt, dass Noras Vater die Reise finanziert hat. Krogstad, von Noras Mann wegen Betruges gekündigt, entdeckt die Unrechtmässigkeit und erpresst Nora. Sie ist verzweifelt und sieht sich einem Rechtssystem ausgesetzt, das ihren Vorstellungen von Recht und Unrecht absolut widerspricht. Als Torvald davon erfährt, ist nur eines wichtig: Der Schein muss gewahrt sein, es darf keinen dunklen Fleck an der reinen Fassade geben. Nora wird mit Vorwürfen überhäuft. Sie muss sich eingestehen, dass die Liebe, an die sie einst glaubte, keine Rolle mehr spielt und dass sie in einem goldenen Käfig gelebt hat. Ihr Leben hat mit der Realität nichts zu tun, und aus Nora bricht eine Sehnsucht hervor, eine Sehnsucht nach Wirklichkeit und Wahrhaftigkeit, die ihr Kraft gibt. Und sie formuliert selbstbewusst ihren Willen und fordert Gleichberechtigung, Anerkennung und einen Dialog auf Augenhöhe. Noras Erkenntnis, allein zu sein, sowie der Zerfall ihres kleinen, intakten Weltbildes bewirken, dass sie sich aufrichtet und ohne Rücksicht auf sich selbst und andere ihren eigenen
Weg sucht.
Henrik Ibsen erreichte mit "Ein Puppenheim" (1879) seinen ersten internationalen Erfolg. Er verarbeitet darin Themen wie das Verhältnis von Liebe und Ehe, die Emanzipation der Frau und die Lebenslüge der Gesellschaft, Themen, die auch spätere realistische Gesellschaftsdramen von ihm bestimmten: "Gespenster" (1881), "Ein Volksfeind" (1882), "Die Wildente" (1884), "Rosmersholm" (1886), die den Autor weltberühmt
und zum meistgespielten Dramatiker seiner Zeit machten.
Regie: Ralf Ebeling
Bühne und Kostüme: Jeremias Vondrlik
"Regisseur Ebeling beleuchtet die Figuren so modern, dass das Stück eine grosse Identifikationsfläche bietet. Mag die gefälschte Unterschrift heute auch etwas lächerlich wirken, um einen solchen Ehebrand zu entfachen, die Kernthemen Liebe, Ehe, Respekt und menschliche - nicht nur weibliche - Emanzipation hat Ebeling immer im Blick. Grosse Überraschungen bietet seine Inszenierung allerdings nicht.
Marek Sarnowski ist der windige Rechtsanwalt Krogstadt.
Foto Beinhorn
Das Ensemble dagegen spielt auf hohem Niveau." (Münstersche Zeitung)
"Nora, die Dancing Queen: Darstellerin Stefanie Kirsten darf sich in Münsters Kleinem Haus regelrecht austoben. Sie ist definitiv das spielende Kind in der Ehe mit Torvald Helmer, schnurrt und zwitschert als Kätzchen oder Vögelchen um ihren Mann herum, lässt sich von ihm leicht auf Händen tragen. Vor allem aber liebt sie das, was er in seiner zukünftigen Stellung als Bankdirektor vermehrt nach Hause tragen wird: Geld. Und wenn sie dieses Wort raunt, klingt es nach Gier." (Westfälische Nachrichten)
Nora Oder ein Puppenheim - Städtische Bühnen Münster Tournee Übersicht
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