Schauspiel & Theater Oberhausen
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Serdar Somuncu: der Hassprediger
Serdar Somuncu: Nach Abschluss seiner überaus erfolgreichen Performance von "Bild lesen" biegt Serdar Somuncu in die Zielgerade ein. Bis Ende des Jahres wird er noch mit seiner Presseschelte der etwas anderen Art auf den Bühnen der Republik zu sehen sein.
Aber Serdar wäre nicht Serdar, wenn er nicht schon ein neues Programm in petto hätte. Mit "Hassprediger - Ein demagogischer Blindtest" wird er ab 2009 Ausschnitte aus berühmten Reden der Weltgeschichte von Osama Bin Laden bis Roland Koch hinterfragen und einander gegenüberstellen. So weit, so gut, könnte man denken. Wenn man die Namen derjenigen wüsste, deren Reden da gerade verlesen werden. Denn die wird Serdar nicht nennen. Ein Blindtest eben. Vor allem ein Einblick in die Austauschbarkeit politischer Flosken jenseits von Zeit und Parteizugehörigkeit.
Details zu: Serdar Somuncu: der Hassprediger in Oberhausen
Aufführungen in: Berlin, Bochum, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen, Soest
Woyzeck - Theater Oberhausen
Woyzeck: Opera nach Georg Büchner von Tom Waits & Kathleen BrennanDeutschsprachige Erstaufführung
Es gab ihn wirklich. Johann Christian Woyzeck wurde 1780 in Leipzig geboren. Nach Jahren des Umherirrens fand er als verabschiedeter preussischer Soldat in seiner Geburtsstadt ein Zimmer bei der Witwe Woost, die sich mit ihm einliess, aber gleichzeitig freizügigen Umgang mit allerlei Soldaten hatte. Am 2. Juni 1821 erstach Woyzeck seine Geliebte. Der Fall wurde durch zahlreiche medizinische Gutachten berühmt, die Georg Büchner als junger Medizinstudent in der Bibliothek seines Vaters las. Als er 1837 mit nur 23 Jahren starb, hatte er mit seinem Drama "Dantons Tod" die Literatur längst revolutioniert. Aber der "Woyzeck" blieb nur ein Fragment kurzer Szenen, die wie einzelne Blitzlichtaufnahmen einer verrückten Gesellschaft wirken. Aus diesem Material hat Tom Waits die "Opera Woyzeck" geschrieben, die den Text durch Showmusik und herzzerreissende Balladen ergänzt.
"Woyzeck handelt von Wahnsinn und von Obsessionen, von Kindern und von Mord - alles Dinge, die uns berühren. Das Stu?ck ist wild und geil und spannend und Phantasie anregend. Es bringt einen dazu, Angst um die Figuren zu bekommen und über das eigene Leben nachzudenken. Ich schätze mal, mehr kann man von einem Stück nicht verlangen." (Tom Waits)
Regie: Joan Anton Rechi
Bühne: Martin Flores
Kostüme: Moritz Junge
Musikalische Leitung: Otto Beatus
"Grossartig finden sich hier vertraute und neue Kräfte des Hauses. Henry Meyer als Doktor hustet und röchelt sich durch seinen Song, als wäre er Tom Waits persönlich. Anja Schweitzer ist eine wundervoll irrlichternde Narrenfigur. Nora Buzalka singt die kratzig-sentimentale Wiegenlieder berührend. ... Dieser Abend ist ein muss für Tom-Waits-Fans, aber er hat Kultpotenzial weit über diese Zielgruppe hinaus." (Westfälischer Anzeiger)
"Regisseur Joan Anton Rechi, der wie das gesamte Regieteam oft mit Calixto Bieito arbeitet, zeichnet die Figuren mit sozialer Genauigkeit, ohne in die Nähe des Naturalismus zu geraten. ... Auf der Bühne mischen sich Mitglieder des alten und des neuen Ensembles, als hätten sie schon immer zusammen gespielt, alle Schauspieler singen ausgezeichnet. Die Bezeichnung Opera ist nicht übertrieben, denn Tom Waits behandelt seine Songs tatsächlich wie Arien, vertieft die Gefühle. Während die Handlung still steht. Wenn die Musik verklingt, lässt Regisseur Rechi Schweigen und Leere zu, man ahnt die Hohlheit der Welt, die Woyzeck empfindet. Ein starker Start in Oberhausen." (Frankfurter Rundschau)
Details zu: Woyzeck - Theater Oberhausen in Oberhausen
Aufführung in: Oberhausen
Die Mutter - Theater Oberhausen
Im Jahr 1932 ist fu?r Brecht die Zeit der expressionistischen Fru?hanfänge, aber auch die Zeit der lustvoll symbolischen Musik-Dramen endgu?ltig vorbei. Etwas ist faul im Staate Reichsmark, und bereits ein Jahr später, am Tag nach dem Reichstagsbrand, wird der politisch hellsichtige Brecht mit seiner Familie und einigen Freunden Deutschland verlassen und u?ber Prag und Wien nach Zu?rich fliehen. Nicht ohne ein bitteres Erbe zuru?ckgelassen zu haben, zu dem auch das vielleicht gespenstischste Urauffu?hrungsdatum deutscher Theatergeschichte gehört. Am 15. Januar 1919 war Rosa Luxemburg ermordet worden. Den 15.01.1932 hatte Brecht sich ausgesucht, um in seinem Theater am Schiffbauerdamm "Die Mutter" herauszubringen, ein Stu?ck nach der Roman-Vorlage des grossen russischen Schriftstellers Maxim Gorki.
All das ist Vergangenheit. Die Frage heute: Was erzählt uns dieses Drama u?ber unsere eigene Gegenwart? Sind wir immer noch "machtlos gegen den winterlichen Schneesturm"? Sind wir nicht längst die, sagt Brecht, fragt uns Brecht, die sich gemeinsam einlernen könnten in das "Einfachste", fu?r das es nie zu spät ist? Die Idee des Kommunismus? Die Mutter, Pelagea Wlassowa, sieht das sehr schnell ein. Der Lehrer Wessowtschikow hat da noch seine Zweifel. Was denken wir heute u?ber diese vielleicht viel zu schnell verloren gegangene grosse Menschheits-Utopie?
Regie: Andrea Moses
Bühne und Kostüme: Christian Wiehle
Musikalische Leitung: Otto Beatus
"Zwingend entlarvt die Regisseurin mit einem stringenten Zuschnitt des Textes auf die Gegenwart nicht nur Brechts fast prophetische Sicht auf die Zeitlosigkeit von Unterdrückung und Ausbeutung. Die Inszenierung lässt als Widerpart zu einer entfesselten Moral des Kapitalismus nur den Aufstand zu ... In einem überzeugenden Ensemble formt Astrid Meyerfeldt, wie Moses in der DDR aufgewachsen, die Frau aus dem Prekariat zu einem faszinierenden Menschenbild. Ihre Wlassowa ist anrührend, entwaffnend logisch in ihrer Naivität, unerbittlich aber auch in ihrem Plädoyer für Solidarität, für Gerechtigkeit". (WAZ)
"So hat sich nun Andrea Moses, die vielerorts beschäftigte Theater- und Opernregisseurin, daran gemacht, Brechts mütterlichen Aufzeigefinger in Oberhausen zu erheben. Mit den allerbesten Voraussetzungen. Nämlich auf der Bühne von Christian Wiehle mit dem aufragenden Altkleider-Fliessband, diesem symbolträchtigen Produktionsmittel der Globalisierung. Und mit der grossartig aufspielenden, ja auftrumpfenden Fünf-Mann-Kapelle unter Otto Beatus, und mit der höchst umwerfenden Berliner Volksbühnen-Heldin Astrid Meyerfeldt in der Titelrolle: Sie gibt Brechts sprechender Projektionsfläche Wlassowa einen Charakter, eine Geschichte, ein Herz. Unmöglich, sich dem Charme dieser Grande Dame der Revolution und ihren schlagenden Erkenntnissen zu entziehen. Wenn sie Klassenkampf buchstabiert, steht darin zumindest ein K für komisch ... Grosser Premierenbeifall." (NRZ)
"Nicht, dass die einfachen und agitatorisch vorgetragenen Rezepte, die das Stück zu bieten hat, auf einmal gangbare Wege aufzeigen könnten. Aber die alten, einfachen Fragen, die es stellt - zu allererst die nach der Gerechtigkeit - die könnten dringender und zeitgemässer nicht sein. Zwei Schlagworte beherrschen die Szene, die Christian Wiehle in Oberhausen für die Inszenierung von Andrea Moses gebaut hat: ,Schrecken´ und ,Solidarität´. Die Mittel, die die Regisseurin gekonnt und mit Fantasie und leichter Hand zum Einsatz bringt, wechseln von Szene zu Szene: Da gibt es Anleihen beim amerikanischen Gangsterfilm, Kabarett, Slapstick, Puppen- und Maskenspiel, grosse Chorszenen (die Musik von Hanns Eissler, dargeboten von fünf Instrumentalisten und einem Vokalensemble, nimmt den ihr gebührenden Raum ein.). Das Konzept ist auf den ersten Blick weit weg von Brechts didaktischem Theater und seinen kargen Bühnenmitteln. Auf den zweiten erweist es sich als gelungene Umsetzung des berühmten Verfremdungseffekts, weil es in seiner Buntheit und Vielfältigkeit absolut anti-illusionistisch ist." (Deutschlandradio)
Details zu: Die Mutter - Theater Oberhausen in Oberhausen
Aufführung in: Oberhausen
Tartuffe Oder der Betrüger - Theater Oberhausen
Tartuffe: Komödie von MolièreDie Familie des Pariser Bürgers Orgon ist verzweifelt: Der Hausherr und seine bigotte Mutter huldigen dem sich fromm und gottesfürchtig gebenden Tartuffe, der sich in ihrem Haus eingenistet hat. Das geht so weit, dass Orgon seinen Sohn zugunsten des Eindringlings enterbt, seine Tochter Mariane gegen ihren Willen mit Tartuffe verheiraten will, diesem sein Vermögen überschreibt und gar nicht bemerkt, dass Tartuffe seiner Frau Elmire Avancen macht und ihn um Hab und Gut bringen will. Orgons Schwager Cléante und die gewitzte Zofe Dorine versuchen, Orgon mit gesundem Menschenverstand die Augen zu öffnen. Doch der Gerichtsvollzieher im Auftrag Tartuffes steht schon vor der Tür ...
Molière, als Jean Baptiste Poquelin und Sohn eines Tapezierermeisters 1622 in Paris geboren, verärgerte mit seinem 1664 im Schloss von Versailles uraufgeführten, gegen Frömmlertum und Heuchelei gerichteten Tartuffe den Klerus. Dieser erwirkte, dass die Komödie von der Zensur verboten wurde. Erst fünf Jahre später erlaubte Ludwig XIV. gegen den Widerstand des Pariser Erzbischofs Aufführungen einer gemilderten Fassung. In Oberhausen sucht Herbert Fritsch einen neuen, ganz eigenen Blick auf Molière und möchte mit dem Ensemble alle Spielarten der Bühnenkomik ausloten. Dabei lassen er und die Darsteller sich auch von Friedrich Wilhelm Murnaus legendärer Stummfilmadaption des Tartuffe von 1925 inspirieren.
Regie, Bühne und Video: Herbert Fritsch
Kostüme: Victoria Behr
Musik: Ingo Günther
"Was die Schauspielerinnen und Schauspieler mit dem Text veranstalten, ist Hochleistungshysterie: Sie kreischen, kieksen, rattern, leiern, heulen, brummeln und brüllen, und keiner seufzt so wie Torsten Bauer als Hausherr Orgon... . Diese Kostüme! Victoria Behr hat mit Brokat und Spitze, mit Tüll und Taft in Lila, Rosa, Gelb und Bleu gezaubert, hat Volants gerafft und Schleifchen gebunden ... Langer begeisterter Applaus." (NRZ)
"Es regiert der szenische Ausnahmezustand. Die Rokoko-Schreckschrauben des Ensembles geraten schon bei Nennung des Menetekels Tartuffe schier aus dem Häuschen. Wie erleben einen kreischenden Maskenball im Hause des von dem Frömmler verführten Orgon. Die Schauspieler agieren slapstickartig wie Väter und Mütter der Klamotte, wenn es von der Tonspur scheppert. Die Klangpartitur verfremdet kunstvoll barocke Lully-Kompositionen, dass die Wände wackeln." (Welt am Sonntag)
"Regisseur Herbert Fritsch, lange an Castorfs Berliner Volksbühne, sorgt nicht nur für Komik, er lässt bei dieser vermodernden Grossbürger-Sippe so richtig die Sau raus." (Westfälischer Anzeiger)
Details zu: Tartuffe Oder der Betrüger - Theater Oberhausen in Oberhausen
Aufführung in: Oberhausen
Die Vögel - Theater Oberhausen
Details zu: Die Vögel - Theater Oberhausen in Oberhausen
Aufführung in: Oberhausen
Kalte Colts und Heisse Herzen - Ebertbad Oberhausen
Gibt es verheiratete Cowboys? Historisch gesehen ja, praktisch gesehen: nein! Die drei Jungs von der Ranch - Adam, Horst und der Kleine - hatten viel zu tun: Indianer, Schurken, Revolverhelden, Diebe, Mörder und marodierende Banden, aber die wirklichen Probleme - die Schwierigkeiten eines verheirateten Mannes - haben sie nie kennengelernt. Bis jetzt. Pa ist tot und sein letzter Wille bringt seine drei Söhne und den Koch in komplette Bedrängnis. Ein Nachkomme muss her. Also: einer muss heiraten, Freiwillige gibts nicht. Fragen über Fragen: Wieviel Ehe verträgt ein wilder Cowboy? Kann man sich abends noch mit den Stiefeln ins Bett fallen lassen, wenn man Ehemann ist? Will die Gattin etwa mit ausreiten? Muss man mit ihr reden? Und wenn, worüber? Wird sie Gardinen anbringen wollen? Wird sie sich in die Rinderzucht einmischen? Hat sie - ausser Stressfaktor zu sein - irgendeinen Vorteil? Die grösste Befürchtung jedoch hat Hop Sing, der Koch: Wird sie in seiner Küche die Macht übernehmen, und hat sein Leben danach noch einen Sinn?
Was wir alle jedoch nicht wussten: Gar nicht weit entfernt von der Ranch leben drei Schwestern, die eine Hühnerfarm managen. Drei taffe schöne Damen, denen der Westen gar nicht wild genug sein kann. Komplettiert wird das Trio von einer chinesischen Schlampe, die zwar nicht kochen kann, aber verteufelt gut aussieht. Es kommt wie im richtigen Leben: man trifft sich, man erschiesst sich fast und am Schluss siegt die Liebe. Der Rest heisst Ehe. Und den Indianern gehts auch nicht mehr so gut.
Regie: Gerburg Jahnke
Mit Hajo Sommers, Nito Torres, Carlos Lopez, Heinz Peter Lengkeit und Omega Awlime
Details zu: Kalte Colts und Heisse Herzen - Ebertbad Oberhausen in Oberhausen
Aufführung in: Oberhausen